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I schwätz schwäbisch, Du au? – Vortrag von Winfried Kretschmann

28. Oktober 2016 Kommentare ausgeschaltet

Die Reutlinger Nachrichten berichten über einen Vortrag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Reutlingen.
Gedanken zum Thema Schwäbisch als Alltagssprache und seine Bedeutung für die Persönlichkeit.

„I schwätz schwäbisch, Du au?“: Mit einem „Jo“ geantwortet hätte vermutlich die Mehrheit jener Besucher in der Reutlinger Kreissparkasse, die Ende vergangener Woche zum Vortrag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Titel „Dialekt in der Mitte der Gesellschaft“ gekommen waren.

Lesenswerter Artikel vom 24.10.2016!
http://www.swp.de/reutlingen/lokales/reutlingen/_i-schwaetz-schwaebisch_-du-au_-13871279.html

Schwäbisch als Weltsprache

3. Juli 2009 Kommentare ausgeschaltet

Dr. Klaus Kinkel, Bundesaußenminister a. D., hat am 1. Juli 2009 einen Mundartvortrag bei der Kreissparkasse Reutlingen gehalten.

Sodele, jedseddle: Ein Schwabe auf dem Weg in die weite Welt

Aus dem Bericht im Reutlinger General-Anzeiger:

[…] Zum »Warmlachen« für sein Publikum machte Kinkel allerdings zunächst Ausflüge in bekannteres Terrain […] und erzählte Geschichten von Protestanten und Katholiken wie die jenes alten Protestanten, der auf seinem Sterbebett plötzlich zum Katholizismus übertreten wollte. Auf erstaunte Nachfrage sagte dieser: »Besser es stirbt einer von denen, als einer von uns«.

[…] Doch für den Schwaben Kinkel gibt es eine Kehrseite von derb und direkt, maulfaul und knapp: »Unser Dialekt ist facettenreich, sogar sprachgewaltig, auch feinfühlig und einmalig.« Was ein Bruddler ist, werde ein Reingeschmeckter nie verstehen und die phantasievolle Vielfalt an Schimpfwörtern und Flüchen, »die werden Sie nirgends sonst finden«.

[…] Grinsend erinnerte sich Klaus Kinkel an seine Zeit als Außenminister, wo er gelegentlich seine Dolmetscher in Verlegenheit brachte mit Bemerkungen wie: »Der soll net so ei Gschiss mache« oder »So ein Furzklemmer, der lieber einen verhebt, damit zwei draus werden«. Ziemlich bald hatten die Dolmetscher immerhin gewisse Routine im Übersetzen von »schwäbisches Käpsele« (good allrounder) oder »Cleverle« (smart operator).

Aus dem Bericht im Alb-Bote:

[…] „Sodele, jedseddle“ – schon allein diese zwei Worte sagen viel über den Schwaben und seine oftmals kurz angebundene, bruddlige aber letztlich doch herzliche Art aus. […]

[…]  Kinkels Leben, das vom Schwäbisch derart geprägt war, dass selbst der Vater gemeint habe, dass nix aus ihm wird. Denn: „Du magst Spätzle und sprichst zu breit Schwäbisch.“ Weshalb es für den jungen Klaus damals auch zur Sprachaufbesserung in die westfälische Heimat des Vaters gegangen sei, in der nach dem Kinkel“schen Aufenthalt aber nicht der Klaus hochdeutsch, sondern das ganze Dorf Schwäbisch g“schwätzt hat.

[…], machte Kinkel aber auch auf die Tiefgründigkeiten des Dialekts aufmerksam. Zu denen zählt unter anderem das Hinterteil mit allem drum und dran. Und obwohl Herzlichkeit und Zuverlässigkeit den Schwaben auszeichnen, ist es meist die Derbheit und ein Schlüsselwort, das manch Rei“gschmeckte verschreckt. Denn weshalb legt sich ein Schwabe bei einem Gewitter wohl umgehend flach auf den Bauch? – „Weil d“r Blitz no nie in a Arschloch eigschlaga hat“, wie Kinkel aufklärte.